SI | Sozialpraktikum Ab 2010 wird am Städtischen Gymnasium Bad Driburg ein einwöchiges Sozialpraktikum (Woche vor Pfingsten) in der Jahrgangsstufe 9 durchgeführt. Ziel dieser außerschulischen Aktivitäten unserer Schüler in sozialen Einrichtungen wie Seniorenwohnheimen, integrativen Gruppen, Pflegediensten ist es, dass die Jugendlichen in einen Dialog mit hilfsbedürftigen Menschen und ihren Betreuern treten sollen. Die Auseinandersetzung mit der Lebenssituation Bedürftiger geschieht hier nicht theoretisch, sondern wird erlebt. Hemmschwellen und Ängste können abgebaut, Empathie und Toleranz gefördert werden. Die Wertschätzung des hilfsbedürftigen Menschen und auch die Wertschätzung der Leistung der Betreuer steht im Vordergrund. In diesem Sinne steht das Sozialpraktikum in der Tradition der „compassion“; nicht beschränkt auf bloßes Mitleid im Sinne eines reinen Gefühls, sondern darüber hinaus mit einer aktiven bis hin sogar politischen Komponente. Ein solches Praktikum bedarf intensiver Vor- und Nachbereitung. Es ist primär an die Fächer Religion und Praktische Philosophie angebunden. Das betont noch einmal die ethisch-soziale Ausrichtung des Praktikums. Eine fächerübergreifende Vorbereitung (z.B. mit Geschichte, Deutsch, Sprachen) und Nachbereitung (z.B. Kunst, Musik) ist wünschenswert. Durch die Reflexion im Klassen- oder Kursverband, durch Erfahrungsberichte sollen die Erlebnisse verarbeitet und für andere fruchtbar gemacht werden. Während des Praktikums werden die Schüler in der Regel einmal von einem Fachlehrer besucht. Wichtig ist es, die Schüler nicht zu überfordern. Die meisten unserer Schüler leben in eher begünstigten Verhältnissen. Sie sollen behutsam an die Erfahrung herangeführt werden, dass viele Menschen auch in der näheren Umgebung aus unterschiedlichsten Gründen nicht über dieselben Vorteile verfügen. Schockierende Erlebnisse sind unbedingt zu vermeiden. Denkbare Tätigkeiten sind daher z.B. - die zeitweilige Übernahme der Rolle des Erziehers/der Erzieherin in einem Kindergarten, - die Förderung eines Kindes mit Sprachschwierigkeiten in der Grundschule, - die Unterstützung eines Förderschülers, - die Mitarbeit in integrativ arbeitenden Betrieben, z.B. einer Gärtnerei, - die Begegnung mit älteren Menschen, z.B. auch Einführung in die Bedienung eines Computers, - ... Diese Bereiche sind geeignet, die Schüler positiv in ihrer Bereitschaft zu stärken, Verantwortung für die Welt zu übernehmen. Zeitlich steht das Sozialpraktikum am Beginn einer intensiven Berufsorientierungsphase. Es ist aber bewusst nicht primär der Berufsorientierung zugeordnet, sondern soll die Schüler zu Reflexionen über das eigene Leben und das Leben anderer Menschen und zu Verantwortungsbereitschaft anregen und erziehen." |